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Gefährliches Geraune

Der Artikel „Vor 60 Jahren verstarb der Heimatdichter Fritz Lau“ (Monatsspiegel Februar 2026) bedarf einer Entgegnung.


Vor allem ist die darin enthaltene Behauptung richtigzustellen, Fritz Lau sei lediglich „ein ehemaliger Mitläufer in der Zeit des NS Regimes“ (gewesen). Diese Behauptung ist falsch.

Tatsache ist: Fritz Lau ist bereits 1933 völlig freiwillig als förderndes Mitglied der SS beigetreten. Die SS (Schutzstaffel) war die paramilitärische Organisation der NSDAP, deren gelenkter Terror die nationalsozialistische Diktatur maßgeblich etabliert hat. Seine Mitgliedsnummer lautet 115 942.


Ebenfalls 1933 hat Fritz Lau seine Aufnahme in die gerade erst von der NSDAP gegründete Reichsschrifttumskammer erreicht (Mitgliedsnummer 9682). Dazu musste er seine arische Abstammung wie auch seine nationalsozialistische Gesinnung nachweisen. Letzteres war aufgrund seiner früheren Schriften offenbar kein Problem. Etwa gleichzeitig erfolgte sein Beitritt zum „Kampfbund für deutsche Kultur“, der 1928 von dem NS-Chefideologen Alfred Rosenberg gründet worden war.


Vor allem ist Fritz Lau auch der NSDAP beigetreten, wobei seine Aufnahme infolge der Aufnahmesperre vom 19.4.1933 erst mit deren ersten Lockerungen im Jahre 1937 erfolgte (Mitgliedsnummer 5825735).


Schließlich ist Fritz Lau der nationalsozialistisch geprägten Schriftstellergruppe des Eutiner Dichterkreises beigetreten. Seine Aufnahme erfolgte 1937 maßgeblich auf Betreiben des Gauleiters und Schirmherren Hinrich Lohse. Dieser war später Reichskommissar für das Ostland und aktiv am Holocaust und den Euthanasie-Morden beteiligt. Befreundet war Fritz Lau mit dem literarisch sehr erfolgreichen Gustav Frenssen, der ebenfalls dem Eutiner Dichterkreis angehörte. Frenssen hat sich öffentlich für die Ausgrenzung der Juden und die Euthanasie eingesetzt.


Vor dem Hintergrund seiner vielfältigen Aktivitäten in nationalsozialistischen Verbänden und Parteien sowie seiner Protektion durch führende Nationalsozialisten lässt sich die Behauptung, Fritz Lau sei lediglich „ein ehemaliger Mitläufer“ gewesen, historisch nicht aufrechterhalten.


Angesichts der neuerlichen Zunahme von Rassismus und Antisemitismus in Deutschland sind die gegenteiligen Darstellungen gefährliches Geraune.


Abschließend bleibt die Frage, wie lange die Stadt Glückstadt sich leisten will, die Benennung eines ihrer öffentlichen Plätze nach einem ausgewiesenen Nationalsozialisten und Faschisten beizubehalten. Wenn der Blick auf die Nachbarstädte gerichtet wird, sollten (statt Elmshorn) Brunsbüttel und Bad Segeberg betrachtet werden: Dort sind die nach Gustav Frenssen, dem Freund Fritz Laus, benannten Straßen bereits vor Jahren umbenannt worden.

Sämtliche Quellennachweise zu den obigen Ausführungen sind aus Platzgründen im Text ausgelassen, werden auf Rückfrage aber zur Verfügung gestellt.


J. Binckebanck

N. Meinert

Dr. D. Zschoche

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