Als am Bielenberger Hafen die Nächte noch blau waren
Juli 2026
Kollmar (es). Es ist schonlange her, so fünfzig Jahre und mehr, da gab es noch eine „Blaue Nacht am Hafen“ in Bielenberg. Edgar Schulz, Gastronom, hatte das jedenfalls auf die Plakate geschrieben. Bedeutete: Sonnabends war Schwof angesagt, ab 20 Uhr und bis in den frühen Morgen. Zerstreuung für junge Leute bei Musik und Tanz.
Hinter dem bulligen Elbdeich lag die Gaststätte „Elbblick“, und nach Um- und Neubauarbeiten entstand das „Ballhaus Bielenberg“. Edgar Schulz, zuvor bei der FirmaTemming tätig gewesen, hatte den Geschmack der damaligen Zeit getroffen.
Es gab Musikgruppen wie „Peter and the Tonics“, mal Sieger in einem Wettbewerb der Tageszeitung, die „Flotten Vier“, die sich mit einem weiteren Familienmitglied zur Gruppe„Die flotten Vier plus eins“ komplettierten.
Schnitzel gefragt
„Blaue Nacht am Hafen“, „Tanz in den Mai“, Kaffeebälle, bei denen mehr Schnitzel und Bratkartoffeln als Kirschtorte gegessen wurde; und dann gab es auch den Jugendtanz mit Discjockey Peter Jarren. Alfred Möller und Wilhelm Hoppe vom Ortsjugendring hatten das Beisammensein immer wieder gerneinitiiert.
Im Laufe des Abends wurde es dann „schmusig“, und mancher Gast, der Edgar Schulz bat, doch die blauen Neonlampen einzuschalten, wird das im Laufe der Tanzdarbietungen verflucht haben, denn nun wurden die Schuppen auf dem Jacket und die Unterwäsche der jungen Mädchen sichtbar, wenn diese bestimmte Fasern für ihr Kleid ausgesuchthatten …
Eine Bielenberg Deern, die später in Glückstadt eine Tischlerlehre absolvierte, sollte abends nicht mehr zum Ball, aber sie kletterte aus luftiger Höhe an der Regenrinne runter und eilte dann auf die Tanzfläche.
Geschmacksänderung
Edgar Schulz machte aber einen entscheidenden Fehler. Manche Band verpflichtete er zwei- oder gar dreimal hintereinandere, und wenn das Publikum die Vorschau-Plakate las, dann lautete oft die Aussage: „Ach, die schon wieder“. Schlägereien hat es kaum gegeben, denn Edgar Schulz hatte seinen Betrieb sehr gut im Griff. Die Gästeausdem Raum Glückstadt oder Elmshorn passten sich den Gegebenheiten an und akzeptierten seine freundlich ausgesprochenen Verbote, was beispielsweise Alkohol anging.
Dickes Lob von mancher Kapelle: nach „Polizeistunde“ gab es für die Musiker noch einen Imbiss, und gestärkt traten diese dann morgens früh den Heimweg an. Freundlicher Abschied: „Bis zum nächstenMal, Edgar“. Wen wundert’s, dass in den Erinnerungen immer noch gerne getanzt wird, und kennen gelernt hat man sich auch hier hinter dem Deich, im Ballhaus.
